June Schädelin (*2001)

Noa A. Steiner (*2001)

June Schädelin und Noa A. Steiner besuchten beide von 2016-2020 die Kunstförderung des Gymnasiums Hofwil TaF Gestaltung und Kunst. Seit Sommer 2019 arbeiten sie als Künstlerinnenduo.

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Sie sind Komplizinnen gegen die Anpassung an das gängige Bewertungssystem ihres unmittelbaren Umfelds. In ihrer Kunst schaffen sie Platz für alles, was sonst als unrelevant und nutzlos angesehen oder durch Verpflichtungen verdrängt wird. Ob ernst oder lustig, belanglos oder kritisch, alles, was ihre Gehirne gerade beschäftigt, bekommt Raum in ihrem impulsiven aber überlegten Schaffen. Im ständigen Austausch hinterfragen sie sich und ihre Umwelt, beantworten und ergänzen einander. Als Duo werden sie zu Spiegeln, die sich gegenseitig reflektieren und zusammen ein neues Bild erschaffen. Dies zeigt sich auch in ihrer Installation "Kunstzelle 109", die zwischen Oktober 2019 und März 2020 im Internatsgebäude ihrer Schule entstanden ist. Als multimediale Raumcollage gibt sie Einblick in die Schnittmenge ihrer Köpfe. Für ihre Arbeit bedient sich das Duo an einem Fundus verschiedenster Materialien, die nicht mehr gebraucht werden: vom Alltag in der Schule, an der Hochschule der Künste Bern, im öffentlichen Verkehr, von Veranstaltungen, Brockenhäusern, Dachböden, Kellern von Bekannten und zu Hause. Das Material nutzen sie zur Darstellung ihrer Gedanken oder als Antrieb zum Experiment. So manifestieren sich ihre Impulse in der Kunstzelle zu ernster Spielerei. Egal ob Gegenstand oder Gedanke, Alltagsdinge oder Kritik, alles sammelt sich in der Zelle an und lässt dort Verbindungen und Mehrdeutigkeiten entstehen.
Sie arbeiten multimedial von Zeichnung und Malerei zur Skulptur, Collage, Tonaufnahme, Performance, Text, Fotografie und Video. Was in der Zelle geschieht, wird an den Wänden, der Decke oder dem Boden festgehalten, gehängt, gezeichnet oder wieder in den Raum projiziert. Gespräche wandern an die Wände und in Tonaufnahmegeräte, der Arbeitsprozess wird fester Bestandteil der Installation.
Das Duo ergänzt seine Kunstzelle durch eine Webseite, die Einblick in die Vernetzungen und Denkprozesse geben soll.
Dieser virtuelle Raum wurde während des Lockdowns, der den Zugang zur Kunstzelle verhinderte, von den Künstlerinnen intensiver genutzt. Zur Ausstellung wird das Duo in die Zelle zurückkehren.


Joëlle Bischof (*1994)

Robin Lütolf (*1995)

Joëlle Bischof hat an der Zürcher Hochschule der Künste Fine Arts studiert.
Robin Lütolf studiert an der Hochschule der Künste Bern Sound Arts (Musik & Medienkunst).

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Joëlle Bischof und Robin Lütolf arbeiten meist konzeptuell und intermedial. Sie setzen kleine Regeländerungen in ihrer Umgebung in Gang und fordern dabei Zeit, Materialität und Funktion heraus. Mit viel Einfühlungsvermögen nähern sie sich Objekten, ohne sich diesen vollends zu bedienen. Die oftmals strenge Trennung zwischen Natur und Kultur hinterfragen sie durch genaues Beobachten. Mit der Arbeit „Neonschwarm“ reflektieren sie die Funktion von Mikroorganismen und ordnen diese zwischen Individuum, Gesellschaft und Ökonomie ein. Bestimmend für die Arbeit sind vorangegangene Prozesse und ein Gefühl, nicht etwa für die Anwesenheit verlorener Dinge, sondern für das Abwesende.


Stella Meris (*1990)

Stella Meris lebt und arbeitet zurzeit in Basel. Sie graduierte 2019 an der Universität der Künste Berlin in der Malerei-Fachklasse von Prof. Valérie Favre. Von 2016-2017 studierte sie Bildende Kunst an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem. Aktuell arbeitet sie daran Malerei und Video mit Performance zu verbinden.

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Meditation, bewusstseinserweiternde Bewegungsabläufe und die Konzentration auf meine Körperwahrnehmung sind Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit. Mit Malerei und Video halte ich Erinnerungsprozesse fest und erweitere sie durch absurde, fiktive Elemente. Dokumentarisches Material aus meinem Familienarchiv interpretiere ich durch Bearbeitung, Überlagerungen und Zensur neu. Neue Geschichten entstehen.
Die großformatige Malerei "Come to my picnic, Sunday afternoon" auf Papier zeigt drei aufwärts strebende Figuren, die in einer farbenfrohen Umgebung eingebettet sind. Mein Körper ist dabei der zentrale Reflexions- und Referenzpunkt. Ich legte mich auf das Papier, um meine Silhouette spielerisch zu umreißen. Die hinterlassene Körperform gleicht der Markierung von Todesopfern. Im Malprozess ist die anonyme Figur wieder zum Leben erwacht. Ich schichtete Augen, andere Körperteile, Tränen und architektonische Gebilde übereinander. Ein sakraler Raum entsteht.

Werkangaben:
Come to my picnic, Sunday afternoon (Triptychon), 2019. Acryl, Eitempera, Ölkreide, Edding, Marker, Buntstifte, Acryl- und Kunstharzlackspray auf Papier. Links: 196 x 500 cm / Mittig: 196 x 540 cm / Rechts: 196 x 500 cm


Ste Haudenschild (*1993)

Ste Haudenschild lebt und arbeitet in Wien und Bern. Sie hat ihren Bachelor in Vermittlung in Kunst und Design sowie ihren Bachelor in Kunstgeschichte in Bern abgeschlossen. Ihre bevorzugten Medien sind Fotografie, Zeichnung, Malerei, Text und Collage.

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Menschen haben es nicht einfach. Es gibt schwierige dunkle Zeiten und dann auch wieder leichtere helle Zeiten. Funktionieren wird meistens von der Gesellschaft erwartet. Da wir aber menschlich sind gehören Angst und Zweifel, nicht funktionieren, Fehler, Erholung mit dazu. Aufgrund von schweren Depressionen, kenn ich es nur zu gut, wenn gar nichts mehr geht. Wenn der totale Stillstand herrscht äusserlich, doch das Hirn mit seinen Gedanken dreht unendliche Runden auf dem Karussell. Es ist sehr schwierig sich in diesen dunklen Zeiten an den kleinen Sachen im Leben zu freuen. Wie zum Beispiel aufstehen, duschen…

Diese Sachen kommen einem so banal vor, weil man sich an sie gewöhnt hat und sie normalerweise automatisch ausführt. Möglichst viel Leistung erbringen und Fortschritt machen. Sehr hohe Ansprüche die wir an uns selbst haben. Meine Illustrationen und Texte sind Momentaufnahmen. Aus meinem Innern. Aus meiner Umgebung. Ich versuche das Chaos in mir aufs Blatt zu bringen, alle meine Emotionen zu zeigen, nichts zu verstecken.
Ich weiss jetzt, dass die dunklen, sowie die hellen Zeiten berechtigt sind, da zu sein.

Mit meiner Ausstellung möchte ich die Menschen ermuntern, ihr innerster Kern zu zeigen. Egal ob dunkel oder hell. Alles darf sein. Es ist nicht schlimm, wenn man seine Fassade nicht aufrecht erhalten kann und sie zu bröckeln beginnt. Wir sind nur Menschen, keine Roboter.
Mein innerer Druck war immer sehr gross, diese besagte Fassade aufrecht zu erhalten und mich nur von meiner besten Seite zu zeigen. Das hat über Jahrzehnte schleichend bergab geführt bis ich am Nullpunkt angekommen bin.

Bildnachweis:
Portrait, Ste Haudenschild (c) Fotografie: Franzi Kreis
Werk, Ste Haudenschild (c) Fotografie: Nicole Hametner


Alexeï Monney (*1990)

Alexeï Monney is born 1990 in Estavayer-le-lac (Fribourg). After living two years in the US he started his studies 2011 at the university of Lausanne in political science. In 2012 he studied photography at the école cantonale d’art de Lausanne. From 2015 to 2017 he studied graphic design at the école romande d'arts et communication Lausanne. Since 2017 he lives in Zurich and studies sculpture and installation at the Zürcher Hochschule der Künste.

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My artistic works explore the friction between aesthetics and socially and politically critical messages. Throughout installations, sculptures, photography or texts, my work reconnects the human being with her*/himself. By flirting with imaginary censorship the artwork might provoke the public and push recipients out of their comfort zone - blurring the boundary between right and wrong. However, I do not expect a specific, but rather some sort of reaction, negative or positive, towards my artwork. In consequence, the reaction of the audience evolves. To sum up, my artwork can be described as a form of “social combat” which questions people about their way of life and their living together. Whether by displaying stupidity, evoking nostalgia or through means of playful interaction, immersion, participation or even direct confrontation I plea and fight for respect among people.


Lea Elina Hofer (*1999)

Babette Walder (*1999)

kölèktief: das sind Babette Walder und Lea Elina Hofer. Wir beide, 1999 in und um Zürich geboren und aufgewachsen, besuchten nach dem Gymnasium das Gestalterische Propädeutikum an der Zürcher Hochschule der Künste. Basierend auf unserer gemeinsamen künstlerischen Wellenlänge entstand Ende 2019 das köllêkțîvv - aus Überzeugung immer wieder anders geschrieben.

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Wir suchen intuitiv und experimentell nach einer gemeinsamen Ausdrucksweise für unsere Nicht-Gedanken und inneren Konflikte, befassen uns mit Absurditäten und Alltäglichem und reflektieren und testen dabei fortlaufend unsere Grenzen.
So sehr wir dabei mit uns selbst experimentieren, spielen wir auch mit unterschiedlichsten Medien. Malerei, Zeichnung aber auch Performance und Digitales kommt in unseren Arbeiten zum Zuge.
In unserer Arbeit „Serie 3“ setzen wir Sprache in Bild um. Vier von uns im Zürcher ÖV aufgeschnappte Gesprächsfetzen werden zu vier ebenso humoristisch-absurden Malereien.


Mindaugas Matulis (*1997)

Mindaugas Matulis ist geboren in Litauen, studiert zur Zeit im letzten Semester an der Ecole cantonale d’art de Lausanne Photographie und lebt in Lausanne. Er erfreut sich an unbedeutenden Momenten seines Lebens, in denen er sich dysfunktionalen technischen Geräten gegenüber wiederfindet. Zudem empfindet er ein Unbehagen gegenüber leidenschaftlichen Technokrat*Innen und hat ein Faible für defekte iPhones und zerbrochene Fensterscheiben. Seine Arbeit umfasst verschiedene Disziplinen wie Fotografie, Video, Collagen, Malerei und digitale Arbeiten.

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Mindaugas Matulis Arbeit erforscht narrative Bildkreation vorwiegend mit dem fotografischen Medium. Er nutzt Symbole und Codes von Architekturepochen, Populärkulturen und Ideologien, um absurd erscheinende Landschaften und Szenerien zu erschaffen. Letztere sind geprägt von demonstrativen wie auch nachahmenden Bauten und Entwürfen.
Das ausgestellte Werk zeigt eine Installation bestehend sowohl aus einer Auto-Skulptur, als auch einer Collage des 1971 fertiggestellten Sportpalastes in Vilnius, in der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen.


Isabelle Weber (*1994)

Isabelle Weber ist in Luzern aufgewachsen und studierte Vermittlung in Kunst und Design an der Hochschule der Künste Bern, Kunstgeschichte (Moderne und Gegenwart) an der Universität Bern und freie Kunst an der Kunsthochschule in Utrecht (NL). Isabelle Weber arbeitet multimedial – hauptsächlich skulptural, installativ und mit Video.

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Das Werk “A granular idea” blickt von oben nach unten, in Richtung der Aufzeichnungsmomente der Gegenwart, unter die Oberfläche, in den Boden hinein auf die grossen Gesten der menschlichen Landmassenumwäl­zung. Dabei interessierte mich die Transformation materieller Daten­speicher in digitale Speicher: In der granularen Idee ähneln sich Boden und Sa­tellitenbilder in ihrer partikularen Struktur und speichernden Funktion. Was sie unterscheidet, ist, was darunter liegt.


Linus Stiefel (*1996)

Linus Stiefel lebt und arbeitet in Zürich.

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Linus Stiefel erforscht Möglichkeiten, Musik im Kunstraum zu etablieren. In seiner Arbeit “STEVIL” spielt er ein Konzert, das zum Scheitern verurteilt ist.


Yaeka Tabara (*1986)

Yaeka Tabara was born in 1986 Fukuoka, Japan. After an exchange program at the Haute école d'art et de design (HEAD) in Geneva, in Mixed Media, she graduated in Fine and Applied Arts at the Kyoto University of Art and Design. She continued her studies at the Hochschule der Künste in Berne where she got her Master’s degree in Contemporary Arts Practice in 2016.

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My work "Once upon a time" explores how language breaks and changes, depending on who is speaking it. The focus is set on people who read sentences out loud in a language they are not familiar with (japanese or french). First, they listen to a sentence and write down what they hear. Second, they read out loud what they wrote while I record them. Third, a next person listens to the previous recording, takes notes and reads out loud what she*/he* wrote down. This process is repeated several times. Finally, 202 people who are not french-speakers and 86 people who are not japanese-speakers have been recorded.


Delia Ferraro (*1996)

Delia R. Ferraro lebt und arbeitet in Solothurn. Sie hat Fine Arts mit Vertiefung Malerei und Zeichnung an der Zürcher Hochschule der Künste studiert. Seit Ihrem Abschluss 2019 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.

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Delia R. Ferraro thematisiert in ihrer Arbeit “Terratom” das Verhältnis zwischen Mensch und Natur. Der Mensch versteht Natur als Ressource und Umgebung. Die Grenzen zwischen dem menschlichen Körper und seiner Umgebung sind fliessend. Wir atmen unsere Umgebung ein. Wir nehmen Kleinstpartikel in uns auf, z.B. Mikroplastik, Abgase, Pollen usw. Die Trennung zwischen Innen- und Aussenraum ist verschwommen.


Sacha Rappo (*1990)

Sacha Rappo vit et travaille à Fribourg. Après un master en sciences de la Terre à l'Université de Fribourg, il entre à la Haute Ecole des Arts de Berne (HEAB), dont il termine le bachelor à Berne en juillet 2019. Dès lors, il a eu l'occasion de participer à l'exposition de la Cantonale Berne Jura 2019 à l'Espace d'Art Contemporain (EAC, les halles), à Porrentruy. En plus de sa pratique, il occupe le poste d'assistant en communication à Fri Art Kunsthalle.

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Son travail s'articule autour de la sélection des matériaux utilisés, d'origine naturelle et/ou de récupération. Transformés, ces collages tridimensionnels créent un ralliement conscient de matériaux artificiels, naturels et à connotation naturelle, une cohabitation étroite d'objets et de nature. Parfois gracieuses, parfois frustes, ces sculptures demeurent un anoblissement précaire de l'objet.
"Trépied I", "Trépied II" et "Trépied III" traitent trois siccateurs à la manière d'une matière première. Par des manipulations simples, cet outil de séchage en accord avec son environnement prend une allure qui lui donne de la place dans un espace, mais qui le distancie de son but prioritaire, tout en lui laissant des traces de son origine. Cette distanciation est aussi visible dans son écart qu'il prend avec la "nature".
A l'heure de l'anthropocène, à l'heure où les matériaux anthropiques pénètrent le cycle de la sédimentation, je sculpte les objets artificiels avant qu'il s'appelle, peut-être, "nature", si le terme existe encore. L'outil de séchage en accord avec son environnement devient outil sophistiqué et sibyllin, gagnant en élégance et en personnalité, mais perdant en fonctionnalité. Il s'est "embourgeoisé" maintenant son historique visible, fils de fer et clous d'origine."